Social Media

Was Pinterest Publishern bietet

Marktentwicklung: Die Plattform ist bereits größer als Twitter und wächst weiter. Besonders in Europa.

Bei oberflächlicher Betrachtung könnte man zu dem Schluss kommen, Pinterest ist nur etwas für Food- und Fashion-Blogger und hat Medienunternehmen kaum etwas zu bieten. Neue Pinterest-Funktionen können Publishern jedoch dabei helfen, ihre Communities zu stärken und ihre Inhalte zu monitarisieren.

Die Popularität von Pinterest in Europa


Pinterest steht auf Platz vierzehn im Ranking der beliebtesten Social-Media-Plattform weltweit. Die Tatsache, dass die Plattform laut Statista im Juli 2021 Reddit und Twitter überholt hat, mag überraschen. Die Ergebnisse des Unternehmens sprechen jedoch für sich.

Die Top 5 der europäischen Länder, in denen Pinterest am weitesten verbreitet ist, sind laut Statista: Deutschland, das Vereinigte Königreich, Frankreich, Italien und Spanien. Auch wenn die Plattform in den USA das größte Publikum hat, wächst Pinterest auch 2021 in Europa stetig weiter:

  • Der Umsatz im 3. Quartal stieg im Vergleich zum Vorjahr um 43 % auf 633 Millionen US-Dollar.
  • Die Zahl der monatlich aktiven Nutzer (MAUs) stieg im Vergleich zum Vorjahr um 1 % auf 444 Millionen.
Ranking Pinterest-Verbreitung vom Juli 2021, statista.com

„Unsere Prioritäten in der strategischen Ausrichtung für 2021 lagen in den Bereichen Inhalte, Pinner-Experience, Maximierung der Werbewirkung und Sales-Konvertierung. Wir planen, in diesem Jahr weiter in diese Bereiche zu investieren. Wir gehen davon aus, dass sich die F&E-Bemühungen weiterhin auf Pinner-Produkte, neue Werbeformen und Investitionen im Bereich der Messung von Werbewirkung konzentrieren.“ , heißt es in einer Pressemitteilung von Pinterest vom November 2021.

Neue Funktionen von Pinterest und neue Werbeformate für Publisher


Aus der Sicht des User ist Pinterest im Grunde ganz einfach: Man kann jedes Bild, das man findet, speichern oder „pinnen“. Die User, oder „Pinner“, wie das Unternehmen sie nennt, können verschiedene Boards erstellen und ihre Sammlungen kategorisieren. Die meisten Bilder sind mit den ursprünglichen Websites verlinkt, von denen sie stammen. Bevor man auf das Innovationspotential der Plattform schaut, sollte man sich mit ihrer Rolle als Traffic-Treiber befassen. Die Plattform hat ihre eigenen SEO-Regeln, die dazu beitragen können, mehr Traffic auf Ihrer Website zu generieren. Neil Patel, Experte für digitales Marketing, hat die Hauptelemente von Pinterest SEO definiert:

#1 Hohe Frequenz und Aktualität
Pinterest möchte, dass Pinner hochwertige Inhalte in hoher Frequenz pinnen und Rich Pins aktivieren, die automatisch aktuelle Informationen von der Website synchronisieren.

#2 Pin-Qualität
Qualität wird über Relevanz, Popularität und Engagement-Level definiert. Pinterest misst beim Teilen eines Pins jedes Mal das Engagement.

#3 Pinner-Qualität

Die Qualität der Pinner definiert sich durch häufiges Posten, das Teilen relevanter Inhalte, die hohe Anzahl an Saves auf dem eigenen Dashboard und das Engagement mit Followern.

#4 Themenrelevanz

Schlüsselwörter bei der Pin-Beschreibungen spielen eine zentrale Rolle. Pins mit relevanten Bildunterschriften, Board-Titeln, Beschreibungen und Profilen erhöhen die Anzahl der Aufrufe. Auch korrespondierende und populäre Hashtags sorgen für mehr Sichtbarkeit.

Mehr über die Extraktion von Keywords auf Pinterest kannst du hier lesen.

Mehr von The Fix: Wie man Keyword-Kannibalisierung auf Nachrichten-Websites vermeidet


Es gibt zwei gängige Möglichkeiten, auf Pinterest Umsätze zu generieren. Erstens, indem man Produkte in Idea-Pins taggt, diese ähneln nativen Instagram-Stories und TikTok-Videos. Die User können jedes beliebige Produkt suchen und taggen, und es anderen Usern empfehlen. Idea-Pins können auch mit Affiliate-Links versehen werden, die ihrerseits eine Provision generieren, wenn die User über sie einkaufen. Idea-Pins können auch mit Affiliate-Links versehen werden, die ihrerseits eine Provision generieren, wenn die User über sie einkaufen. Die Daten von Pinterest zeigen, dass die Kaufabsicht der User um 89 % höher ist bei Produkten, die in Idea-Pins getaggt sind, als bei eigenständigen Produkt-Pins.

Interessant ist auch die Tatsache, dass der Pinterest-Algorithmus positiv auf Videoinhalte zu reagieren scheint. Außerdem können Publisher nicht für das Boosten von Ideen-Pins bezahlen, wie es bei den üblichen Pins möglich war. Man könnte vermuten, dass Pinterest Positionierungspläne hat, die in Zukunft weit über die aktuelle „Click-Through-Gallery“-Plattform hinausreichen.

„Wir haben gesehen, dass die Views von statischen Pins im letzten Jahr kontinuierlich gesunken sind. Der Original-Pin wird in den ersten 30 Tagen durchschnittlich 1.000 bis 6.000 Mal aufgerufen. Idea-Pins hingegen erreichen laut Brit + Co leicht mehr als 100.000 Aufrufe und haben eine Engagement-Rate (z. B. wenn jemand den Pin auf seiner Pinnwand speichert) von ein paar Tausend pro Pin“, erklärte Matthew Schulte, CRO und COO von Brit + Co, gegenüber Digiday.

Tagged Idea Pin, pinterest.com

Die andere Monetarisierungsquelle ist das Sponsoring-Tag. Der Pinner muss lediglich einen Idea-Pin erstellen und den Partner direkt im Pin markieren. Sobald der Werbetreibende dem Tag zustimmt, erscheint die Marke neben dem Idea-Pin mit dem Tag „Bezahlte Partnerschaft“. Die Provision des Pinners hängt von den Bedingungen ab, die mit dem Werbepartner vereinbart wurden. Falls du Interesse an den unterschiedlichen Vermarktungsmöglichkeiten auf Pinterest haben, solltest du dich mit dem Pinterest Business-Konto befassen.

Tagged partner, pinterest.com

Wenn du die Pinterest Paid Partnership Tools nutzt, kannst du mit deinen Partnermarken direkt innerhalb des Tools die Zahlungsmodalitäten festzulegen.


[Gefällt dir dieser Artikel? Abonniere den wöchentlichen The Fix Newsletter und erhalte unsere
besten Artikel sowie exklusive Meinungen, Jobangebote und weitere Möglichkeiten direkt per Mail
]


Außerdem führte Pinterest im Oktober 2021 weltweit ein „Takes-Engaging-Feature“ ein, das es den Usern erlaubt, ihre Neuinterpretationen eines Idea-Pins zu veröffentlichen. Diese Pins werden mit den ursprünglichen Idea-Pins verlinkt, und die Publisher können die besten Takes der Follower highlighten. Um Aggressionen und Hates auf der Plattform zu vermeiden, wird den Pinnern, deren Pins mit dem Idea-Pin verlinkt sind, ein Codex für Kommentare angezeigt. Er soll eine positive Kommentarkultur auf der Plattform fördern und folgt fünf Regeln aus dem Creator Codex von Pinterest:

#1 Immer freundlich sein: Stelle sicher, dass der Inhalt andere nicht beleidigt oder abwertet.

#2 Überprüfe deine Fakten: Poste nur Dinge die du sachlich und inhaltlich überprüfen kannst

#3 Sei dir des Triggerpotentials deiner Kommentare und Posts bewußt: Sei vorsichtig, wenn es um visuell sensible Inhalte geht.

#4 Setze dich für Inklusion ein: Schließe niemals absichtlich bestimmte Gruppen oder Gemeinschaften aus.

#5 Schaden niemandem: Rufe nie zu Gewalt, Hass oder zu Handlungen auf, die den Handelnden oder anderen Personen Schaden zufügen könnten.

Idee „Takes“ auf Pinterest, pinterest.com

Wie europäische Medien Pinterest nutzen

Daily Mail

Die britische Boulevardzeitung hat 2,4 Millionen Follower und monatlich über 10 Millionen Aufrufe auf Pinterest. Das Profil derDaily Mailbesteht aus vielen separaten Dashboards, die Prominenten und Keywords zu Unterhaltungsthemen gewidmet sind, u.a. Kino, Musik, Food, Beauty.

Screenshot vom Pinterest-Account der Daily Mail

Vogue Italia

Wie die meisten internationalen Vogue-Ausgaben ist auch die italienische Ausgabe mit 506,5k Followern und mehr als 10 Mio. monatlichen Aufrufen ein Big-Player unter den Fashion-Accounts. Mode ist das Fokusthema und Condé Nast ist sich dessen bewusst. Das Dashboard ist in viele Themen unterteilt, die auf das überwiegend weibliche Publikum der Vogue zugeschnitten sind. Die Bereiche mit den meisten Pins sind Beauty & Skincare, Trends, Celebrity Looks und Fashion Shows. Die Dashboards unter italienischen Titeln werden deutlich weniger geklickt.

Screenshot vom Pinterest-Account von Vogue Italia

Highsnobiety

Highsnobiety wurde Anfang der 2000er Jahre als deutscher Blog für Sneaker-Enthusiasten gegründet und ist heute eines der wichtigsten Mode-Medienformat der Welt. Highsnobiety experimentiert ständig mit neuen Monitarisierungsquellen. Überraschend ist, dass ihr Pinterest-Account seit fast einem Jahr inaktiv ist.

Sie nutzten Pinterest nicht nur als Traffic-Quelle, sondern verkaufte über Shoppable Pins auch ihre Produkte. Dieses Tool ermöglicht es, die User auf die Website zu leiten und ihnen bei Bedarf ähnliche Artikel anzuzeigen. Diese Verlinkung lässt sich bei der Erstellung neuer Pins aber auch bei bestehenden Pins einfügen. Trotz des Mangels an Aktivität generiert Highsnobiety mit 203,4K Followern aktuell ca. 1,2 Millionen Aufrufe pro Monat.

Xataka

Ist ein spanische Technologiekonzern und ein eher untypische Player auf Pinterest, wo Fashion, Food und Kunst die meisten Aufrufe generieren. Die Inhalte sind im gesamten spanisch-sprachlichen Raum und insbesondere in Mexiko, dem drittgrößten Pinterest-Markt, relevant. In diesem Zusammenhang ist auch der 3. Platz des Unternehmens auf unserem Ranking der europäischen Publisher auf TikTok von Bedeutung. Xataka hat lediglich 32,6k Follower, erreicht aber beachtliche 3,7 Mio. Aufrufe monatlich. Auf Pinterest fehlt allerdings ein klares Konzept. Die Dashboards ist kaum strukturiert. „Since“ und „Xataka Basics“ mit verschiedenen technischen Tutorials und „Apps“ scheinen die größten zu sein.

Screenshot von Xatakas Pinterest-Konto

Mehr von The Fix: Europäische Publisher auf TikTok: Daily Mail übernimmt die Führung

Konbini

Der französische Lifestyle-Verlag ist der Gegenentwurf zu Xataka. Konbini hat auf Pinterest 11,3 Millionen Follower, schafft es aber gerade mal auf 1,8 Millionen monatliche Aufrufe. Ein Unternehmen mit reichlich Potential könnte man meinen. Allerdings ist der Auftritt wenig strukturiert und es scheint keine Dashboard-Strategie zu geben. Inhalte werden einfach von der Website auf Pinterest kopiert. Die Anzahl der Dashboards ist gering, und die Bilder scheinen keinem Styleguides zu folgen oder anhand von UX-Guidelines selektiert zu werden.

Screenshots vom Konbinis Pinterest-Account

FAZIT: Trotz des überwiegenden Anteils an Lifestyle-Themen auf Pinterest lohnt es sich auch jetzt noch einen Versuch zu wagen. Die Zahl der User wächst, neue kreative Möglichkeiten der Monitarisierung entstehen ständig. Newcomer können noch immer bestimmte Pinterest-Nische besetzen, je nach Themenspektrum, Spezialisierung und Sprache des Contents.

Foto: Szabo Viktor auf Unsplash


%d Bloggern gefällt das: