Zuerst wollte ich über all die Influencer schreiben, die unverifizierte Videos und Fotos der Invasion der russischen Armee in der Ukraine verbreiten. Doom-Scrolling ist für viele ganz normal geworden, seit man den Krieg live in den Sozialen Medien verfolgen kann.

Natürlich wollen Influencer mit vielen FollowerInnen unbedingt irgendetwas teilen, das in den überfüllten Feeds heraussticht. Ich habe aufgehört mitzuzählen, wie oft der erste Kommentar unter einem Beitrag das Video oder Bild als Fake entlarvt hat, zum Beispiel weil es bereits einige Jahre alt war oder einfach gefälscht ist.

Im Jahr 2013 stellte die WNYC-Radiosendung On the Media das Breaking News Consumer’s Handbook zusammen. Der erste von neun darin aufgeführten Punkten ist, dass in der unmittelbaren Folge von Ereignissen sogar die Nachrichtenagenturen Fehler machen werden. Und die letzten Tage waren da keine Ausnahme.

Was können wir daraus lernen? Anonymen Quellen sollte man nicht trauen. Es ist besser Nachrichten zu verfolgen, die sich in die Nähe des Vorfalls begeben, oder seriösen internationale News-Websites, die alles, was sie veröffentlichen, auf seine Richtigkeit überprüfen. Nehmen wir zum Beispiel die Updates der NYT zum Krieg in der Ukraine.Unter jedem Video oder Foto verschiedener Quellen findet sich der Hinweis, dass es von der Times verifiziert wurde.

Niemand Lab hat eine umfangreiche Liste von Liveblogs, Maps und Quellen veröffentlicht, der es sich lohnt zu folgen.

Ich weiß, Influencer werden weiterhin Geschichten teilen, die auffallen, auch wenn sie entlarvt werden, obwohl Nachrichtenagenturen die ersten sein sollten, die sie darauf hinweisen.

Die momentanen Ereignisse sind angsteinflößend. Umso schöner ist es deshalb zu sehen, wie benachbarte Länder und Städte ihre Hilfsbereitschaft zeigen, indem sie Unerkunft für geflohene Familien anbieten, Spenden organisieren oder anderweitig helfen.

Um unseren Teil dazu beitragen, haben wir uns Wege überlegt, mit denen andere Medienhäuser den ukrainischen Medien dabei helfen können, weiterhin unabhängige Berichterstattung und Nachrichten aus erster Hand zu liefern, während russische Medien und verschiedene alternative „Nachrichten“-Seiten, die hauptsächlich von Russland finanziert werden, Propaganda und Fake News verbreiten.

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1) Bieten Sie Ihre Hilfe an

Blickt man auf die führenden Online-Medien aus der Slowakei, findet sich neben den Nachrichten über die aktuellen Geschehnisse in der Ukraine ein Linkmit der Überschrift „Wie man den Ukrainern helfen kann“, der die LeserInnen zu einer Liste von Wohltätigkeitsorganisationen, verifizierten Spendenseiten und Initiativen führt, die materielle, finanzielle oder freiwillige Hilfe sammeln.

Diese sind nicht explizit für die ukrainischen Medien bestimmt. Aber auf den Websites anderer großer Medienhäuser konnte ich nichts dergleiche entdecken. Weder die Zeit, die Bildzeitung, Le Monde, die NY Times, BBC News, die Washington Post, Vox noch andere bieten eine solchen Service an.

Dann erinnerte ich mich an die Zeit, als der Syrienkrieg das auslöste, was wir heute als Flüchtlingskrise bezeichnen. Damals gab es ähnliche Bemühungen von Freiwilligen in der Slowakei, auch wenn sie bei weitem nicht so viel Aufmerksamkeit erzeugten wie im Fall der Ukraine heute.

Sicher, räumliche Nähe spielt dabei eine Rolle, ein guter Moment also, auch das einmal zu hinterfragen. Ich bin der Ansicht, dass alle Medien, einen solchen Service anbieten sollten. Es ist ein einfacher Weg, schnelle Unterstützung zu gewährleisten.

Mindestens 500.000 Flüchtlinge (und zu dem Zeitpunkt, zu dem Sie diesen Artikel lesen, sind es wahrscheinlich schon weit mehr) sind inzwischen in Nachbarländer geflohen. Den neuesten Schätzungen zufolge die meisten von ihnen nach Polen (ca. 300.000).

Onet, eine der größten polnischen Nachrichtenseiten, hat einen Informationsdienst in ukrainischer Sprache mit aktuellen Nachrichten und vor allem mit Ratschlägen für Menschen, die aus der Ukraine nach Polen kommen, eingerichtet. Ebenfalls ein guter Weg, schnell für Hilfe zu sorgen.

2) Unterstützen Sie Spendenkampagnen für ukrainische Medien

Zusammen mit der ukrainischen NGO ‘Media Development Foundation’, dem niederländischen Kollektiv ‘Are we Europe’ sowie weiteren Medienpartnern in ganz Europa startet The Fix ein globales Fundraising, um ukrainische Medien bei ihrer Arbeit zu unterstützen.

Bisher helfen wir 10 nationalen und regionalen Medien, darunter Ukrainska Pravda, Ukrainer, Liga.net und Kyiv Independent. Sie alle brauchen Sicherheitsausrüstung (Erste-Hilfe-Kasten, Helme, Schutzwesten usw.), Unterstützung bei der Verlagerung eines Teils ihrer Arbeit ins Ausland, logistische Unterstützung, um sich im Land bewegen oder ein- und ausreisen zu können, und finanzielle Mittel für laufende Recherchen.

Sie alle berichten rund um die Uhr über den Krieg Russlands in der Ukraine und halten die Welt auf dem Laufenden.

Wenn Sie den ukrainischen Medien mit Ausrüstung oder Soforthilfe helfen möchten, kontaktieren Sie uns bitte unter newsroom@thefix.media, zakhar@thefix.media, jakub@thefix.media, mariialeonova.work@gmail.com und geben Sie Ihre Daten an.

Es gibt auch noch eine weitere Kampagne zur Unterstützung des Kyiv Independent.

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3) Spenden Sie einen Teil ihrer Einnahmen

Für Medienunternehmen, die über eine aktive Infrastruktur für LeserInneneinnahmen verfügen, sollte es relativ einfach sein, zusätzliche Mittel aufzubringen oder einen Teil der Einnahmen an ausgewählte unabhängige ukrainische Medien zu spenden.

Ein gutes Beispiel dafür ist Sifted, eine neue Nachrichtenseite für europäische Innovatoren und Unternehmer, unterstützt von der Financial Times. Die Seite wird in der nächsten Woche die Hälfte ihrer Einnahmen an den Kyiv Independent spenden, um dessen Arbeit zu unterstützen. John Thornhill, der Gründer von Sifted betont dabei die Bedeutung der freien Presse, gerade in einer Zeit wie dieser.

Natürlich bewegt man sich dabei auf einem schmalen Grat, denn eine solche Initiative könnte auch als pompöse Marketingkampagne aufgefasst werden. Bei guter Umsetzung kommt es aber einfach ukrainischen Medien zugute und bewegt gleichzeitig unentschlossene LeserInnen dazu, Memberships abzuschließen, weil sie die Initiative begrüßen.

4) Schicken Sie Equipment oder bieten Sie Ihre Hilfe bei Kosten für Infrastruktur an

Anmerkung der Redaktion: The Fix und IMI https://imi.org.ua/enare unterstützen die ukrainischen Medien. Wenn auch Sie helfen möchten, wenden Sie sich bitte direkt an IMI oder an asabadan@jnomics.media.Hier finden Sie eine Liste mit den Dingen, die an Ausrüstung benötigt werden.

Vielleicht würde Ihr Medienunternehmen lieber Ausrüstung schicken, anbieten, die Infrastrukturkosten zu übernehmen oder den Zugang zu digitalen Online-Tools im Voraus zu bezahlen.

Siehe Punkt 2) für die Kontaktdaten oder, falls Sie in Kontakt mit ukrainischen JournalistInnen oder Redaktionen stehen (oder welchen in den Sozialen Medien folgen, von denen sie wissen, dass sie auch wirklich existieren), schreiben Sie sie an und bieten ihnen Ihre Hilfe an. Jede Hilfe zählt.

5) Stellen Sie ukrainischen JournalistInnen Ihre Räumlichkeiten zur Verfügung

Anmerkung der Redaktion: Wir stehen im Moment mit zahlreichen ukrainischen Medien in Kontakt, sowohl vor Ort als auch im Ausland. Wenn Sie derartige Hilfe anbieten können, schreiben Sie uns via partnerships@thefix.media

Unter den Menschen, die aus der Ukraine fliehen, befinden sich auch JournalistInnen und verschiedene Medien-Berufstätige, die entweder das Land verlassen, um von dort zu arbeiten oder weil sie mit Ihrer Familie weg mussten.

Viele Redaktionen sind bereits zu hybriden Arbeitsbedingungen übergegangen, so dass in einigen Fällen große Büros leer stehen. Wahrscheinlich handelt es sich nicht um Hunderte von JournalistInnen, da die meisten von ihnen im Lande bleiben, um über den Krieg zu berichten.

Aber es gibt auch einige, die in einer überfüllten vorübergehenden Unterkunft im selben Raum mit ihrer Familie oder anderen arbeiten. Ein Arbeitsplatz mit Fachleuten aus derselben Branche wäre eine willkommene Unterstützung. Geben Sie sich also einen Ruck!

Ich bin sicher, dass es noch viele andere Möglichkeiten gibt, wie Medienschaffende ihren ukrainischen KollegInnen helfen können. Es handelt sich hier nur um einige wenige Alternativen, die Sie inspirieren und Ihnen zeigen sollen, dass jeder, ob groß oder klein, helfen kann.

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