Top-Stories

Game-Changer-Technologie: Warum Verlage mit der Blockchain experimentieren sollten

Blockchain hat das Potenzial, die Nachrichtenmedien zu verändern, aber weniger als 10 % der befragten Verlage haben eine passende Strategie dafür

Anmerkung der Redaktion: Dies ist ein Artikel von Faisal Kalim, ursprünglich veröffentlicht auf What’s New in Publishing. Er beschäftigt sich mit den möglichen Auswirkungen von Blockchain auf Medien.

Im neuen INMA-Bericht heißt es: „Obwohl Blockchain das Potenzial hat, die Medienbranche zu verändern, ist im Moment noch nicht klar, was das genau bedeuten wird“. Das ist ein wichtiger Grund, warum die meisten Verlage sich ungern damit beschäftigen. Die Mehrheit der Verleger sagte in einer kürzlich durchgeführten Umfrage, dass Blockchain das Potenzial hat, die Nachrichtenmedien zu verändern, aber weniger als 10 % haben eine Strategie dafür.

Der INMA-Bericht „Exploring Blockchain’s Potential to Transform Media„, von Zoltan Vardai und Jeanhee Kim/Forkast.News, zeigt interessante Trends sowie einige erfolgreiche Praxisanwendungen der Technologie im Verlagswesen. Ziel ist es, zu zeigen, wie Verlage von Blockchain profitieren können und welches zukünftige Potential für Medienhäuser in dieser Game-Changer-Technologie liegt.

„Zu den Blockchain-Möglichkeiten, gehören die Bekämpfung von Fake News, Verwaltung von Inhaltsrechten, gerechtere Verteilung der Content-Einnahmen, Vereinfachung von Bezahlprozessen, bessere Abo-Steuerung, Bekämpfung von Werbebetrug und die Steigerung des Leserengagements.“

Earl J. Wilkinson, Geschäftsführender Direktor und CEO, INMA

Potenzial zum Erhalt des unabhängigen Journalismus

Blockchain ermöglicht es Nutzern, Informationen aufzuzeichnen, die so gut wie unmöglich zu hacken, zu fälschen oder sonst wie zu verändern sind. Die Veröffentlichung digitaler Inhalte unter Verwendung dieser Technologie wird den Publishern helfen mehr Nachvollziehbarkeit zu schaffen, da Inhalte transparent bis zur ursprünglichen Quelle zurückverfolgt werden können. „Mit mehr Transparenz geht ein größeres Gefühl der Kontrolle und Sicherheit einher – beides ist direkt anwendbar bei der Bekämpfung von Urheberrechts- und IP-Verletzungen“, schreiben die Autoren.

Es wird auch helfen, Fake News zu bekämpfen. Verlage, darunter die New York Times und die BBC, erforschen, wie sie Blockchain nutzen können, um Bildquelleninformationen zu sichern – das Wer, Was, Wo, Wann und Warum bleibt immer im Bild gespeichert, selbst wenn es in sozialen Medien ohne den ursprünglichen Kontext geteilt wird.

„Blockchain ermöglicht größere Transparenz über die Herkunft und die Produktion von Medieninhalten, und das ist entscheidend für die Leser, um Vertrauen in die Seriosität von Nachrichtenquellen zu haben. Blockchain bietet ein immenses Potenzial, um journalistische Inhalte unveränderbar zu bewahren, die Geschichte dokumentiert und kommentiert.“

Stef Lo, Leiterin der Unternehmenskommunikation, SCMP

Grundlegende ökonomische Veränderungen in der Medienbranche

Nicht-fungible Token (NFTs) sind nach Ansicht der Autoren eine der aufregendsten Entwicklungen in der Blockchain. Dabei handelt es sich um digitale Multimediakunstwerke (Zeichnungen, animierte GIFS, Songs, sogar Tweets), die in der Blockchain aufgezeichnet werden, um nachzuvollziehen, wem sie gehören. ei einer NFT kann es sich um ein einzigartiges Exemplar, ein Unikat, eine Einzelausgabe oder ein Exemplar von vielen handeln (wie bei Baseballsammelkarten).

NFTs stellen für Verlage eine bedeutende Möglichkeit dar, ihre Inhaltsbibliothek zu monetarisieren, insbesondere Bilder und andere Unikate wie Zeitschriftencover usw. Sie können Verlagen auch dabei helfen sich besser gegen Urheberrechtsverletzungen zu schützen.

Vogue, USA Today und The Economist haben mit NFTs experimentiert. Vogue Singapur veröffentlichte eine NFT-Themenausgabe mit einem QR-Code. Er ermöglichte es den Lesern, zur Online-Version zu wechseln, wo virtuelle Kleider und zwei digitale Versionen des Covers in NFTs umgewandelt wurden. Die Leser konnten sie beim Auktionshaus Brytehall ersteigern. In ähnlicher Weise verkaufte The Economist ein Titelbild als NFT zum Thema Alice im Wunderland, darauf zu sehen war Alice wie sie in den „Kaninchenbau“ kriecht.

„Wir haben schon immer darüber geschrieben welches Veränderungspotenzial diese Technologie in der Welt hat“, verkündete der Verlag in einem Online-Artikel. „NFTs und die Krypto-Infrastruktur, auf der sie basieren, könnten das Finanzwesen verändern. Indem wir unsere eigenen NFTs erschaffen und verkaufen, erleben wir dies aus erster Hand.“

„NFTs ermöglichen einen grundlegenden Neuanfang in der Wirtschaft der Medien- und Kreativbranche, das ist es was die Menschen verstehen müssen.“

Keith Grossman, Präsident, Time

Transparente und sichere Medienlieferketten dank Blockchain und Krypto-Technologie

Die Tatsache dass Blockchain mit Kryptowährungen verbunden ist, ermöglicht es Verlegern ihr Geld auf ganz neue Art und Weise zu verwalten. Sie bietet Potential zur Vereinfachung von Zahlungsprozessen und zur Schaffung neuer Wege zur Monetarisierung.

„Die Distributed-Ledger-Technologie von Blockchain kann eine transparentere und sicherere Medienlieferkette schaffen und die Zahl der Urheberrechtsverletzungen verringern“, erklären die Autoren. „Dies kann auch dazu beitragen, die Zahlung von Lizenzgebühren zu rationalisieren, insbesondere für Unternehmen mit einer großen Anzahl von Kunden/Lesern oder Abonnenten.“

Verlage können die Nutzung ihrer auf dem unveränderlichen Blockchain-Ledger registrierten Inhalte in Echtzeit verfolgen. Dies eröffnet neue Monetarisierungsmöglichkeiten für Medienunternehmen. So können Verlage beispielsweise den Einsatz von Blockchain-basierten Smart Contracts dazu nutzen, um individuelle, verbrauchsabhängige Preismechanismen zu ermöglichen. Die Leser würden davon profitieren, da sie nur für die genutzen Inhalte bezahlen müssen, und nicht für das komplette Abo.

Auch für die Verleger ergäben sich zusätzliche Vorteile. Sie könnten zahlende Leser gewinnen, die nicht an einem Gesamtabonnement interessiert sind, und parallel die Kosten für die Abrechnungsprozess senken.

Die Technologie kann auch eingesetzt werden, um das Engagement der Leser zu steigern. Decrypt Media bietet seinen Usern Anreize, ihre Inhalte zu lesen, zu teilen und mit ihnen zu interagieren – im Austausch gegen DCPT, seinen Utility Token. Der Verlag hat mehr als 4 Millionen Leser pro Monat und konnte die Zahl seiner User im Jahr 2020 um 2.000 % steigern.

Die Belohnung des Publikums mit digitalen Assets, die einen realen Wert haben, kann die Lesertreue erhöhen und gleichzeitig einen Teil der Werbeeinnahmen an die User zurückgeben.

Analyse zum Veränderungspotential von Blockchain in der Medienwirtschaft

Eine neue Art, über die Welt zu denken

lanna Roazzi-Laforet, Herausgeberin und CRO von Decrypt, meint, dass traditionelle Medienunternehmen bei der Verwendung von Token übermäßig vorsichtig sind. „Token und Krypto sind nicht der Feind“, sagt sie. „Sie sind nicht beängstigend. Sie sind eine neue Art, die Welt zu sehen.

„Sich diesem schnell wachsenden Markt mit Angst und Skepsis zu nähern ist einfach ein kaum wieder gut zu machender Fehler.“

Verleger können Token nicht nur als Entschädigung in Betracht ziehen, sondern auch für Aktivitäten wie Aufbauen, Kommunizieren, Regieren und das Schaffen von Werten, fügt sie hinzu.

Viele Verleger sind jedoch vorsichtig, was das Experimentieren mit Blockchain angeht.“[Blockchain] erinnert mich irgendwie an die Web-2.0-Ära und die Social-Networking-Technologien, wo die Leute an der Spitze des Verlagswesens sagen: ‚Warum sollte ich twittern, was ich zu Mittag gegessen habe?'“, sagt Brian Morrissey, ehemaliger Präsident und Gründungs-Chefredakteur von Digiday.

„Und die Realität war, dass sie sich darauf einlassen mussten, um zu verstehen, was es bedeutet, eine wirklich wechselseitige Beziehung zum Publikum zu haben. Aber für viele Verlagsmanager war das sehr neu, und sie konnten das Potential dieser Beziehung nicht wirklich verstehen. Und mit der Kryptowährung ist es ganz ähnlich.“

Für Verlage ist es jetzt an der Zeit, sich mit Blockchain zu beschäftigen, sei es durch Accounts auf Social-Media-Plattformen, oder durch die Einführung einer Krypto-Bezahlfunktion. Dies sind kleine Schritte um Erfahrungen zu sammeln über diese aufstrebende, disruptive Technologie, die in der Zukunft noch sehr viel Potential bieten wird.

Analyse zum Veränderungspotential von Blockchain in der Medienwirtschaft

Mehr von The Fix: Ukrainisches Spitzenmedium verkauft NFT ihre Lukaschenko-Stalin-Titelseite

Foto: Pierre Borthiry auf Unsplash

%d Bloggern gefällt das: