Top-Stories Zielgruppeninteraktion

Wie Umfragen, Quizze, Tests und FAQs zu mehr Interaktivität beitragen

Was funktioniert? Was nicht? Umfragen, Quiz, Tests und FAQs sind seit langem ein unterschätztes Interaktivitätstool. Allerdings nutzen nur wenige Verlage das volle Potenzial.

Als ich meinen ersten richtigen Job in einer Redaktion bekam (d. h. ich wurde endlich für meine journalistische Arbeit bezahlt), war eines der ersten Dinge, die man mir beibrachte, dass ein guter Artikel eine Interaktionselement braucht, zumindest eine kurze Ja/Nein-Umfrage.

Zu dieser Zeit waren Ouizzes Wissens- und Persönlichkeitstests sehr beliebt, Buzzfeed spielten Test zum Thema „Was für ein Mensch bist du“ rauf und runter. Die dritte Art von grundlegendem Engagement-Tool war Q&A.

Für viele Journalistinnen und Journalisten sind diese drei Tools solche Basics, dass sie ihnen nicht die nötige Aufmerksamkeit schenken. Ich finde das schade, vor allem, wenn man sich die Forschungsergebnisse in diesem Bereich ansieht.

Mehr von The Fix: Wie Verlage Fluktuation überwinden und Engagement und Loyalität aufbauen

Das Warum und Wie von Test und Quiz

2013 veröffentlichte das Center for Media Engagement an der University of Austin/Texas eine Studie mit dem Titel „How Online Quizzes Can Benefit Newsroom Websites“ darin findet sich folgende Kernaussagen:

  • Online-Ratespiele sind unterhaltsam, helfen Menschen zu lernen (steigert das Erinnerungsvermögen) und sorgen dafür, dass deine User mehr Zeit auf deiner Webseite verbringen
  • Um das Engagement zu erhöhen sollten Redaktionen bei der Gestaltung von Quizfragen unterschiedene Fragenformate, zum Beispiel Multiple-Choice- und Slider-Antwortoptionen, integrieren, und statistische und numerische Daten verwenden.
  • Die Verwendung von Online-Umfragen hat einige generelle Nachteile: Die Nutzer können glauben, dass die Ergebnisse repräsentativ für die öffentliche Meinung sind (meist ist das nicht der Fall). Wenn sich die Themen auf politische Nachrichten beziehen, können Umfragen Bürger zynischer gegenüber den politischen Prozessen machen

In Bezug auf das Engagement sind sowohl Umfragen als auch Tests gute Features, obwohl Umfragen, wie die oben genannten Untersuchungen zeigen, einige Herausforderungen mit sich bringen. Ich empfehle, Umfragen als Feedback-Instrument für Redaktionen zu nutzen.

Die MIT-Psychologin und Kulturanalytikerin Sherry Turkle hat mehrere Bücher daüber geschrieben wie Technologie die menschliche Konditionierung verändert. Sie meint Menschen lieben Umfragen, weil sie ein Zeichen für ihr Selbst darstellen, und ähnlich aussagekräftig sind wie ein Profilbild.

„Es gibt den Menschen etwas, auf das sie schauen können, ein Objekt, das ihnen beim Nachdenken hilft.. Ich denke, diese Tests etwas sind das die hilft die Aufmerksamkeit zu fokusieren, um über sich selbst nachzudenken“, sagte sie 2014 gegenüber Wired.

Nicht nur Buzzfeed oder oder vergleichbare Websites die auf ein jüngeres Publikum abzielen Medien machen sich die Persönlichkeit- oder Wissenstests zunutze. Sowohl BBC News als auch die New York Timesveröffentlichen wöchentliche Nachrichtentests, der deutsche Spiegelveröffentlicht ein wöchentliches Fußball-Tippspiel. USA Today nutzt Tests, um neue Benutzer zu registrieren. Aber das beste Quiz und seine Integration, die ich gefunden habe, stammt von Slate, dazu später mehr.


[Hat dir dieser Artikel gefallen? Abonniere den wöchentlichen The Fix-Newsletter und erhalte unsere
Top-Stories, exklusive Meinungen und Stellenangebote direkt per Mail
]


Und wenn du glaubst, dass es in diesem Bereich keine Innovationen mehr gibt, dann liegst du falsch. Schau dir nur das Wall Street Journal an und eine der letzten Veröffentlichungen dort, die in diesem Blog sehr schön dokumentiert ist.

Neben anderen leserfreundlichen Features, die in einem INMA-Blog beschrieben werden, hat das für Innovationen verantwortliche Team in der WSJ-Redaktion ein interaktives, erweiterbares Q&A-Format entwickelt. Es macht es Lesern leichter, Fragen schnell zu überfliegen und sich für die für sie am interessantesten zu entscheiden.

Mehr von The Fix: Toolbox: Was können Sie von The Guardian, BBC, FT, NYT und WSJ über Nachrichteninnovation lernen?

Interaktivität 👍 Spielspaß 👎

Beispiel für das Quizergebnis von Slate. Quelle: Slate

Apropos Innovation: Als ich für diese Kolumne recherchierte, schaute ich mir an, wie einige große Verlage Quizzes und Tests einsetzen. Die meisten nutzen sie, um das Engagement ihrer Leser zu steigern. Wahrscheinlich wollen sie, dass die Leser mehr Zeit online verbringen. Sie bieten auch Newsletter für ihre Tests an, und das war’s dann auch schon.

Ein etwas fortschrittlicherer Ansatz, auf den ich gestoßen bin, zielte darauf ab E-Mail-Adressen schnell er einzusammeln als über die Anmeldung bei einem Newsletter.

Wie ich bereits erwähnt habe, erlaubt USA Today nur registrierten Benutzern die Teilnahme an einem Test, aber das ist noch nicht alles. Es gibt auch eine Bestenliste mit allen bisherigen Ergebnissen und Zeiten.

Der faszinierendste Ansatz für Nachrichtenquizze, den ich gesehen habe, stammt von Slate. Das progressive Online-Magazin, das sich mit aktuellen Themen, Politik und Kultur in den Vereinigten Staaten befasst, stellt das Quiz laut Wikipedia als einen Wettbewerb zwischen einem User und einem Mitarbeiter der Newssite dar.

Mir gefällt dieser Ansatz, da User ihr Wissen über News direkt mit dem eines Redakteurs vergleichen können.

Manche mögen sich dagegen wehren, dass ein Journalist als weniger sachkundig dargestellt werden könnte als ein Leser, aber ich denke, es geht darum, wie sehr Ihr Publikum Ihnen vertraut und versteht, dass man als Mitarbeiterin oder Mitarbeiter einer Redaktion nicht allwissend ist, selbst wenn es um Nachrichten geht.

Außerdem fordern Sie Ihre Leser heraus, sich mit einem Profi zu messen. Außerdem bietet Slate einen Quiz-Newsletter an, der wöchentlich per Mail verschickt wird.

Meine Redaktion hat Wissens- und Persönlichkeitstests schon vor langer Zeit aufgegeben, da sie als etwas kindisch angesehen wurden, die Produktion ziemlich arbeitsintensiv war und die Leute schließlich dachten, sie könnten etwas Produktiveres machen.

Nach Jahren habe ich zusammen mit einem kleinen Team ein Experiment gewagt und ein wöchentliches Nachrichten-Quiz ins Leben gerufen. Ein paar Wochen lang stellen wir Fragen zusammen, das am Ende der Woche als Quiz veröffentlicht wurden. Nach Veröffentlichung des ersten haben wir die User um Feedback gebeten.

Es war überraschend positiv, die erste Ausgabe wurde von den Abonnenten gut angenommen, die Verweildauer war überdurchschnittlich hoch, wir haben neue Abonnenten für unseren täglichen Newsletter gewonnen und wir haben einiges an interessanter und konstruktiver Kritik bekommen.

Einer der User hinterließ diesen Kommentar: „Interaktivität 👍 Spielspaß 👎.“ Später im Gespräch erklärte er. Unserem Quiz fehlte ein langfristiger Anreiz, ein Grund für die Leute, wiederzukommen. USA Today hat die Bestenliste, Slate hält die Spannung mit der Frage, gegen welche Mitarbeiter man dieser Woche antreten kann.

Er war nett genug auch eine Lösung anzubieten – einen Gratisartikel, einen Rabatt auf das Abo oder etwas Ähnliches. Er hatte Recht. Trotzdem waren die Teilnehmerzahlen und die Verweildauer gut, natürlich gibt es Verbesserungenspotential und wir können am Feedback der User arbeiten, das wir bekommen haben.

Mehr von The Fix: 5 innovative Nachrichtenformate, die 2021 ausprobiert werden sollten – und Tools, um sie umzusetzen

Umfragen, Quiz und Q&A in TV, Podcasts, Live-Veranstaltungen und Webinaren

Amazon besitzt derzeit die Rechte für das Streaming von „Thursday Night Football“ und kündigte an, das Interesse an interaktiven Fanumfragen vor den Spielen und während der Halbzeitpausen zu testen. Zunächst können nur Zuschauer teilnehmen, die den Stream über die Amazon Prime Video Android-App ansehen.

Die Fragen werden sich auf die Mannschaften und Spieler, aktuelle Nachrichten und soziale Medien beziehen. „Wer wird zuerst punkten“ oder „Wer wird in der ersten Halbzeit die meisten Yards werfen“ sind einige der angebotenen Beispiele.

Der Tech-Gigant sieht in der NFL eine Chance, Interaktivität und Personalisierung in das traditionelle Fernsehen zu bringen. Es ist nicht der erste und auch nicht der letzte Versuch. Netflix bietet 17 interaktive Titel an, bei denen der Nutzer (Zuschauer) Entscheidungen für die Charaktere trifft und so den Fortgang der Geschichte mitgestaltet.

Im September kündigte Spotify die weltweite Einführung von Q&A und Polls an, zwei Funktionen für Podcast-Ersteller, die das Unternehmen erstmals auf seiner Jahreskonferenz Stream On im Februar angekündigt hatte.

Wie die Streaming-Dienst in der Pressemitteilung schreiben, war Podcasting in der Vergangenheit eine Einbahnstraße: Die Macher veröffentlichten ihre Sendungen und ihre Zuhörer hörten zu. as stimmt zwar, aber dank Newslettern und sozialen Medien haben die Macher andere Möglichkeiten gefunden, Kontakt zu ihren Hörern in zu halten.

Der Nachteil dieser Ankündigung ist, dass sie nur auf dem zu Spotify gehörenden Podcast-Host Anchor.fm für Podcaster und nur für Hörer funktioniert, die über Spotify zuhören.

Erwähnt werden sollte auch Slido, das von Cisco übernommene slowakische Startup, das as Engagement der Teilnehmer bei Live-Events oder Webinaren mit Live-Umfragen, F&A sowie Quizfragen revolutioniert hat.

Amazon, Spotify und Slido sind ein weiteres Beispiel dafür, dass Umfragen, Fragen und Quizze die beliebtesten Funktionen sind, wenn es um Interaktivität geht.

Q&A und Umfragen in der Spotify-App. Quelle: Spotify

Tools

Natürlich muss ich in dieser Kolumne auch einige Werkzeuge vorstellen. Natürlich muss ich in dieser Kolumne auch einige Tools vorstellen. Das Center for Media Engagement hat einen sehr schönen Quiz-Creator entwickelt. Das einzige Problem ist, dass man damit nicht übersetzen kann. Ist dein Publikum also nicht englischsprachig ist, ist dieses Tool nichts für dich.

Ich verwende die Software von Flourish.studio. Es bietet dir eine Menge Personalisierungsoptionen, Sie können alles übersetzen und in jeder beliebigen Sprache verwenden, ganz ohne Englisch.

Auch die Journalist’s Toolbox hat einige gute Empfehlungen für verschiedene Tools, die du ausprobieren kannst.

Natürlich ist es auch möglich, ein eigene Tool zu programmieren, wenn du über die entsprechenden Ressourcen verfügst.

Mehr von The Fix: Die Segnungen und Gefahren von Spotifys kostenloser Podcast-Hosting-Plattform

%d Bloggern gefällt das: