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Ex-Team der „Kiew Post“ gründet „Kiew Independent“ und stellt seine Pläne vor

Viele waren schockiert über die unerwartete und plötzliche Schließung der 26 Jahre alten Printmarke. Das neue Medium will den Werten der Kiew Post treu bleiben und gleichzeitig beim Geschäftsmodell neue Wege gehen.

[Anmerkung der Redaktion: Die Mitbegründer von The Fix, Daryna Shevchenko und Jakub Parusinski, arbeiteten beide in den frühen 2010er Jahren bei der Kiew Post. Sie unterstützen das Team von Kiew Independent als CEO bzw. CFO bei der Bewältigung der operativen und finanziellen Herausforderungen während des Übergangs].

Das ehemalige Team der Kiew Post – die am 8. November abrupt geschlossen wurde – kündigte heute an, dass sie ein neues Medium mit dem Titel The Kiew Independent launchen werden. Gleichzeitig startete das Team ein Spenden-Projekt auf Patreon.com, um die Unterstützung der Mitglieder zu gewinnen.

Die Schließung der Kiew Post war ein Schock für viele in der nationalen Medienlandschaft ein. 26 Jahre lang war die Kiew Post eine tragende Säule des unabhängigen Journalismus in der Ukraine. Die Publikation sah sich in den vergangenen Jahren mit Rechtsstreitigkeiten mit Oligarchen, zwei Revolutionen, Versuchen der Zensur und der Entlassung des Chefredakteurs (Zensur als auch Entlassung scheiterten) und vielen anderen Herausforderungen konfrontiert.

Die jüngste Herausforderung erwies sich allerdings als zu groß. Der Eigentümer der Kiew Post , der Immobilienmagnat Adnan Kivan, ein ukrainischer Staatsbürger mit syrischen Wurzeln, beschloss, das Blatt vorübergehend einzustellen, nachdem es intern massive Proteste darüber gab, dass die ukrainische Ausgabe in Zukunft von einem Vertrauten Kivans geleitet werden soll. Die Mitarbeiter erfuhren über den Wechsel an der Spitze der Kiew Post lediglich aus den soziale Medien. Die ehemalige Redaktion bezeichnete dies als „Racheakt“.

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Alte Werte, neue Vision für die Kyiv Independent

Das Team des neuen Kiew Independent gab den neuen Namen am Morgen des 22. November in einer Nachricht an seine Abonnenten bekannt: „Die Ukraine braucht englischsprachigen Journalismus von höchster Qualität vor Ort und unsere Gemeinschaft braucht eine Nachrichtenquelle, der sie vertrauen kann. Deshalb gründen wir ein neues Medienunternehmen, The Kiew Independent“. Kyiv Independent gab den neuen Namen am Morgen des 22. November in einer Nachricht an seine Abonnenten bekannt: „Die Ukraine braucht englischsprachigen Journalismus von höchster Qualität vor Ort und unsere Gemeinschaft braucht eine Nachrichtenquelle, der sie vertrauen kann. Deshalb gründen wir ein neues Medienunternehmen, The Kyiv Independent“.

„Wir werden weiterhin die Wahrheit über die Ukraine berichten: die Wahrheit über Politik und Reformen, Krieg und Kultur, Unternehmertum und wissenschaftliche Entdeckungen. Wir werden weiterhin hart recherchieren, um die Machthaber zur Rechenschaft zu ziehen“, heißt es in der Botschaft weiter.


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Der Kiew Independent wird schrittweise eingeführt, erster Schritt ist die Einführung eines Newsletters, danach wird es eine Leserbefragung geben. Nach Angaben der Redaktionsleiter soll die neue Publikation auf dem Geist und den Werten der Kiewer Post aufbauen, aber auch einige Mängel des früheren Mediums beheben und in Bezug auf Produkte und Formate nach vorne schauen.

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Laut der Chefredakteurin Olga Rudenko, dier früheren stellvertretenden Chefredakteurin der Kiew Post, ist die neue Publikation in dieser Zeit besonders wichtig. Die Ukraine leidet unter ständigen Desinformationsangriffen und braucht eine objektive Berichterstattung, um den Druck auf den laufenden Reformprozess aufrechtzuerhalten, unter anderem um die endemische Korruption im Land zu bekämpfen.

„Wir sind hier, um die Gesellschaft in der Ukraine und im Ausland mit hochwertiger Berichterstattung über die Ukraine zu versorgen. Wir werden im Interesse der Gesellschaft Überwachungsjournalismus betreiben“, so Rudenko gegenüber The Fix.

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Kiew Post bis Weihnachten geschlossen, die Paywall ist ebenfalls nichtmehr aktiv

In der vergangenen Woche gab auch das neue Team der Kiew Post, das von Kivan eingestellt wurde, eine Erklärung ab. Der neue CEO Luc Chenier – der zuvor von August 2016 bis Februar 2018 als CEO der Kiew Post tätig war – schickte einen Newsletter an die Abonnenten, in dem er seine Pläne darlegte.

„Die Kiewer Post plant, rechtzeitig zu den Weihnachtsferien zurück zu sein! Ich bitte Sie um Geduld und Verständnis für die kommenden Wochen, in denen wir uns auf das nächste Kapitel in der Geschichte dieser ehrwürdigen Medieninstitution vorbereiten“, heißt es in der E-Mail.

„Meine redaktionelle Priorität wird es sein, sicherzustellen, dass wir in der Lage sind, ausgewogene und sachliche Nachrichten zu liefern. Ich betrachte die BBC in dieser Hinsicht als den goldenen Standard, ebenso wie Herr Kivan“, so Chenier.

Er dankte dem scheidenden Chefredakteur Brian Bonner, der die Leitung 2008 übernommen hatte, und wünschte dem ehemaligen Team viel Glück bei seinem neuen Vorhaben. Chenier machte Missverständnisse und Spannungen im Zusammenhang mit der ukrainischen Version für den Streit verantwortlich: „Der Chefredakteur und der Eigentümer der Kiewer Post haben beschlossen, dass es an der Zeit ist, getrennte Wege zu gehen“.

Chenier kündigte außerdem an, dass die Kiew Post ihre Bezahlschranke aufheben werde. Es war das erste ukrainische Medium, das 2013 eine Paywall einführte und vor der Schließung rund 3 000 zahlende Abonnenten hatte. Chenier wies darauf hin, dass es aufgrund „technischer Probleme“ zu „massenhaften Stornierungen“ gekommen sei, und sagte, er werde sich persönlich an die Abonnenten wenden.

Die Kiew Post war lange Zeit das einzige Medium des Landes, das sich aus den bezahlten Online-Abonnements heraus finanzierte. Der Club wurde 2020 erweitert, als 20 Minutes, eine regionale Website aus der Zentralukraine, eine Paywall einführte. Bald darauf folgte das nationale Blatt Novoe Vremya, sowie fast ein Dutzend anderer Medien, die so versuchten, dem COVID-bedingten Rückgang der Werbeeinnahmen zu kompensieren.

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Eine regionale Krise der Pressefreiheit

Die Krise der Kiew Post findet inmitten eines besorgniserregenden Rückgangs der Pressefreiheit in der gesamten Region statt. Die Nachbarländer der Ukraine – Polen, Weißrussland, Ungarn und Russland – haben alle einen erheblichen Rückgang der Pressefreiheit zu verzeichnen. In der Zwischenzeit schien die Ukraine eine relative Oase zu sein.

Aber auch hier gibt es besorgniserregende Anzeichen. Im vergangenen Monat wurde berichtet, dass das Präsidialamt Druck auf die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt ausübt. Die Schließung der Kiew Post hing auch mit dem politischen Druck auf den Eigentümer Kivan zusammen, wie ein Beitrag von Sevgil Musaievader in der Ukrayinska Pravda zeigt. Das Präsidialamt hat dementiert, jemals Druck auf die freie Presse ausgeübt zu haben.

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Foto von der SaveKyivPost Facebook-Seite

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